• z rolf 01
  • z rolf 02
  • z rolf 03
  • z rolf 04

Rolfing in München-Schwabing und Berlin-Kreuzberg 

Die Grundlage von Rolfing–Gravitation

Mit der Gravitation ist es wie mit den Fischen im Wasser. Wir Menschen sind dieses Feld der Schwerkraft so gewohnt, dass wir ihm keine Beachtung schenken.

Die drei Grundprinzipien

Im Rolfing® gehen wir von drei Grundprinzipien aus, die den menschlichen Körper beeinflussen.

  • Der Körper ist eine Einheit. Wenn ein Teil sich verändert, beeinflusst dies das gesamte System.
  • Die Faszien sind plastisch. Das Fasziensystem gibt dem Körper seine Form.
  • Die Gravitation beeinflusst unseren Körper in jeder Sekunde. Wir bewegen uns immer im Feld dieser Kraft.

Körper als Einheit

Wenn Sie die Strukturen des Körpers betrachten, werden Sie feststellen, dass er sich aus vielen Elementen zusammensetzt – Kopf, Brust, Beckenbereich, Beine usw. Diese Einzelstrukturen, die in räumlichen Beziehungen zueinander stehen, müssen als eine Einheit verstanden werden. Verändert sich ein Element, so hat das Auswirkungen auf den Körper als Ganzes, auf die Gesamtstruktur. Wenn Sie zum Beispiel einen Knickfuß haben und deshalb etwas hinken, wirkt sich das aufs Becken, die Wirbelsäule und den Hals aus, der den Kopf trägt. Rolfing macht sich diesen Zusammenhang zunutze und verändert das Verhältnis der Einheiten zueinander. Auf diese Weise wird die Form des Körpers verändert, was wiederum zu einer verbesserten Funktion führt.

Fasziensystem

Die Muskeln sind von feinen, weißen, mehr oder weniger dünnen Häuten bedeckt, den Faszien, die den gesamten Körper durchziehen. Faszien umhüllen nicht nur die Muskeln, sondern auch die Blutgefäße, Nerven, Organe, das Gehirn und die Knochen. Faszien sind das Verpackungsmaterial, das dem Körper seine Form gibt. Faszien halten Gelenke zusammen, bilden Sehnen und Bänder und übertragen so die Kräfte, die den Körper aufrecht stehen lassen. Faszien sind plastisch. Wenn ein Sportler viel Sport macht, verstärkt der Körper die Faszien der stark beanspruchten Gelenke. Werden Muskeln weniger benützt, verändert sich die Eigenschaft der Faszien: Sie verkleben und gleiten nicht mehr so gut, es entsteht eine Bewegungseinschränkung. Im Yoga werden deshalb die Faszien gedehnt. Im Rolfing machen wir uns diese plastische Eigenschaft der Faszien zunutze. Mit dem langsam schmelzenden Druck unserer Hände und Ellenbogen dehnen wir Rolfer genau jene Faszien, die den Körper daran hindern, sich ganz aufzurichten.

Faszien und Tensegrity

Faszien und Bändern verbinden Knochen und Gelenke miteinander. Die Art, wie sie das machen, bezeichnet man als Tensegrity. Das Besondere von Tensegrity ist:

  • Wird irgendwo im System die Spannung verändert, so hat das Auswirkungen auf das gesamte System.
  • Das System funktioniert nur als Ganzes. Wird ein Element beschädigt, ist das gesamte System beschädigt.
  • Die Fähigkeit des Körpers, zu federn, Kräfte aufzunehmen und wieder abzugeben und dabei formstabil zu bleiben, ist enorm.


In diesem Video sehen Sie Tensegrity-Strukturen:
Tensegrity Demonstration



Im Rolfing arbeiten wir mit dieser Tensegrity-Eigenschaft des Körpers. Wir machen nicht einfach alles locker, sondern wir verändern nur jene Faszienstrukturen, die die Aufrichtung des Körpers behindern. Aufgrund des im Video gezeigten Modells können Sie nun verstehen, warum eine Veränderung an Ihren Füßen Auswirkungen bis in den Hals haben kann.

Gravitation als strukturgebende Kraft

Beim Menschen sind der Fuß, die Beine, die Wirbelsäule und einfach alle statisch tragenden Strukturen nach dem Tensegrity-Prinzip konstruiert. Diese gesamte Konstruktion hat nur einen Zweck: Der Mensch soll sich federnd im Schwerefeld der Erde fortbewegen können. Die ganze menschliche Tensegrity-Konstruktion hat sich an die Bedingungen der Gravitation auf der Erde angepasst. Insofern ist die Gravitation die form- und strukturgebende Kraft. Je optimaler die Anpassung jedes einzelnen Menschen daran ist, desto effektiver kann er sich bewegen. Genau davon können Sportler ein Lied singen und ebenso der Neandertaler, als er sein Mammut jagte, denn Neandertaler und Sportler versuchen, ihr Ziel möglichst effektiv und schnell zu erreichen. Wenn wir, wie oben beschrieben, im Rolfing ordnend in die Beziehungsmuster der Körperelemente eingreifen, dann mit dem Ziel, die Summe all dieser Strukturen möglichst optimal an die Gravitation anzupassen. Sind im Körper keine Blockaden mehr, kann die Kraft der Gravitation ungehindert durch ihn hindurchfließen. Der Klient hat dann den Eindruck, dass er sich auf einmal leicht, elegant und mühelos bewegen kann.

Gravitation und Verschleiß

Befinden sich jedoch Blockaden im Körper, führen diese zu Bewegungseinschränkungen. Der Körper kann sich nicht mehr effektiv bewegen. Die Gravitation verstärkt den Prozess, es tritt Verschleiß auf. Am Ende tauscht man das Gelenk bei einer Operation aus. Wenn der Körper dysfunktional organisiert ist, wenn z.B. der Kopf zwischen den Schultern hängt, wie etwa bei Skoliose oder Plattfüßen, muss der Körper Muskeln zu Hilfe nehmen, die für diesen Zweck nicht vorgesehen sind. Das führt zu Verspannungen und zu Schmerzen. Jetzt führt der Körper einen aussichtslosen Kampf gegen die Gravitation, denn die Gravitation wird immer siegen. Folglich wird der Kopf immer tiefer rutschen, die Skoliose immer schlimmer werden, und die Plattfüße schädigen erst das Fuß- und später das Kniegelenk. Deshalb arbeiten Rolfer nicht an vordergründigen Symptomen. Vielmehr verbessern sie die Funktionalität des Körpers. Klienten finden mithilfe ihres Rolfers Wege, wie sie sich effektiver bewegen können. Das sind Lernprozesse. Um diese Lernprozesse zu vereinfachen, wurde die 10er-Serie geschaffen. Der Rolfer hat dabei weniger die Rolle eines Therapeuten als die eines Coachs.

Gravitation und Alterung

Alterungsprozesse nehmen rasant zu, bei Astronauten in der Schwerelosigkeit, wie die NASA-Forschung gezeigt hat, bei „Couch Potatoes“ und bei Menschen im Altersheim. Warum? Nun, die Gravitation ist nicht die Kraft, die Sie vorzeitig altern lässt, sondern es ist die Kraft, die Ihr Körper zusätzlich verbraucht, um korrekt zu funktionieren. Die Gravitation ist Ihr Freund. Je öfter Sie sich mit der Gravitation auseinandersetzen, wie z.B. wenn Sie Trampolin springen, Treppen steigen oder einfach kurz vom Stuhl aufstehen, desto besser. Wenn Sie im Rolfing lernen, mit Ihrem Körper effektiver umzugehen, um sich aufrecht in der Schwerkraft zu bewegen, dann lernen Sie auch seine Signale und Bedürfnisse besser kennen. Diese Form von Achtsamkeit hat Anti-Aging-Charakter.

Gravitation, Balance und Koordination

Wenn Sie ruhig stehen können, werden Sie spüren, wie Ihr Körper Sie dauernd daran „hindert“ umzufallen. Was Sie da beobachten, sind viele kleine Reflexe, die Ihnen erlauben, mühelos aufrecht zu stehen. Der Körper erledigt das für Sie. Wenn Sie nun eine Blockade in einem Körperteil haben, muss diese Versteifung ein anderer Körperteil durch mehr Beweglichkeit ausgleichen. Nimmt das zu, haben Sie Probleme mit der Balance. Alte Menschen haben vermehrt Probleme mit Balance und Koordination. Astronauten haben dasselbe Problem bei ihrer Rückkehr zur Erde. Ihr Körper hat verlernt, mit der Schwerkraft zu spielen. Die Schwerkraft fordert ihn auf, sich ständig mit ihr auseinanderzusetzen, sich dauernd an sie anzupassen, damit er nicht stürzt, umfällt, stolpert, wackelt, unsicher wird und das Gleichgewicht verliert, sondern in Balance bleibt. In einem Körper ohne Blockaden führen die vielen kleinen Reflexe, die ihn im Gleichgewicht halten, dazu, dass er dauernd in Bewegung bleibt – jedes Element bleibt ein klein wenig in Bewegung. Durch diese vielen Mikrobewegungen bleibt der Körper gesund, er kann sich selbst instand halten, kann sich selbst reparieren, kann sich selbst heilen. Als Rolfer möchten wir, dass dieser Prozess wieder in Gang kommt. Deshalb helfen wir dem Körper und dem Klienten, sich in der Schwerkraft aufzurichten.

Gravitation und Entspannung

Entspannung gelingt nur in der Lotrechten.

  • Im ersten Schritt richten Sie sich in der Schwerkraft vollständig auf. Sie stehen nun aufrecht.
  • Im zweiten Schritt erlauben Sie Ihrem Körper, sich automatisch durch die vielen kleinen Stellreflexe im Gleichgewicht zu halten. Im Idealfall balanciert Ihr Kopf auf dem ersten Halswirbel. Er wackelt wie eine Kugel ganz leicht hin und her.
  • Im dritten Schritt können Sie nun beobachten, wie Ihr Körper sich entspannt.

Sie stehen und entspannen sich nun gleichzeitig. Aufrecht und entspannt, das ist das Ziel im Rolfing.

Gravitation als evolutionäre Kraft

In der Entwicklung vom Affen zum Menschen hat die Evolution den Menschen aufgerichtet. Dr. Ida Rolf sagt nun, dass dieser evolutionäre Schritt der Aufrichtung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Die Aufgabe des Rolfers sei es, diesen Prozess zu beschleunigen.

Gravitation und Spiritualität

Form und Funktion: Hat der Körper die aufrechte Form angenommen, kann er seine Funktion erfüllen. Dann kann die Gravitation ungehindert durch ihn hindurchfließen. Dann kann die Energie, die Himmel und Erde verbindet, durch ihn hindurchfließen. Dann ist er das verbindende Element zwischen Himmel und Erde –zwischen dem Göttlichen und dem Materiellen. Dr. Ida Rolf waren diese Überlegungen sehr wohl bewusst. Jedoch betont sie, dass im Rolfing der Körper nur vom physikalischen Gesichtspunkt aus betrachtet wird.



Buchempfehlungen:

Dr. Ida Rolf, Rolfing im Überblick: Physische Wirklichkeit und der Weg zu innerem Gleichgewicht 212 S., antiquarisch, Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, ISBN 978-3873871076 (Die englische Ausgabe Rolfing and Physical Reality
Ein warmes und weises Selbstportrait. Ida Rolf schreibt über ihr Leben, über das Wunder des menschlichen Körpers, über das Leben im Allgemeinen und erklärt ihre Technik, wie Muskeln und Bindegewebe manipuliert und ausgerichtet werden. Sie präsentiert ihr Denken nicht als geschlossenes System, sondern wirft Fragen auf,  die sie nicht direkt beantwortet.

Dr. Joan Vernikos,  The G-Connection: Harness Gravity and Reverse Aging, antiquarisch, iUniverse, ASIN: B00IH7BGLK
Das Buch stellt die Ergebnisse aus 30 Jahren NASA-Forschung dar.  Bei mangelnder Bewegung oder Bettlägerigkeit im Altersheim und bei Schwerelosigkeit in der Raumstation werden physiologische Alterungsprozesse beschleunigt. Joan Vernikos kommt zu dem Schluss, dass der Mensch sich möglichst oft mit der Gravitation auseinandersetzen muss, um Alterungsprozessen entgegenzuwirken. Im Buch wird die Empfehlung an Büromenschen ausgesprochen, alle 20 Minuten kurz vom Bürostuhl aufzustehen und sich gleich wieder hinzusetzen. Das sei besser, als 20 Minuten am Tag ins Fitnessstudio zu gehen.